Seine Enduro

Ich bleibe an der Tür stehen und betrachte ihn lange.Groß ist er geworden, fast schon ein junger Mann.Breite Schultern, aber noch etwas Babyspeck an der Hüfte. Die Haare sind kurz geschnitten, fast wie Borsten.

Ich sehe ihn vor mir, wie er mit dem Motorrad fährt. Blauschwarz die Windjacke, schwarz die Hose, blau mit weißem Schriftzug das Motorrad, in Silber der Sturzhelm von Nolan.
So stehe ich im Türrahmen und schaue ihm zu.
Er scheint mich nicht zu bemerken.

Es ist ganz still, nur in der Ferne hört man eine Uhr schlagen.
Und in diese Stille hinein sage ich leise: „Versprichst du mir etwas?“
„Was denn “, fragt er zurück ohne sich umzudrehen. Er muss doch gewusst haben, dass ich da stehe und ihn beobachte.
„Lass mich niemals zu deiner Beerdigung gehen müssen. Lass mich niemals an deinem Grab stehen müssen“, höre ich mich sagen.
Ingo dreht sich langsam zu mir um, schaut mich lange an und meint dann: „Wie kommst denn auf so was, red doch keinen Scheiß!“
Ich zucke mit den Schultern und sage langsam, fast traurig: „Ich weiß nicht, ist mir gerade so durch den Kopf gegangen.“