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Papa
14.02.2019
Worte #: 1170 90.5.111.131
Um eine Leere beschreiben zu können, deren Unendlichkeit ein eigenes Universum füllt, habe ich nach so langer Zeit keine Worte mehr.
Es ist nicht Nichts, was neben der Sprachlosigkeit bleibt, wenn man die Fassungslosigkeit überwunden zu haben glaubt und schmerzliche Erinnerungen die Zukunft bestimmen. Aber es ist nicht mehr das was es einmal war und die Gewissheit, dass es nie mehr so sein wird, diese Gewissheit muss man erst einmal ertragen lernen.
Ich habe mich eingewöhnt, habe mich an das Leben der Anderen angepasst und bemühe mich deren Unbekümmertheit verstehen und ertragen zu können. Doch über allem schwebt das selbst Erlebte.
Noch immer ist der Lärm von spielenden Kindern für mich ein Ohrenschmaus, noch immer habe ich das Verlangen einen auf mich zu rollenden Ball als Bananenflanke zurückzukicken und noch immer macht es mir Freude die neugierige Aufmerksamkeit von Kindern zu wecken und ihre Begeisterung zu genießen.

Ich glaube, aus mir hätte ein guter Opa werden können, wenn du die Zeit dazu gehabt hättest eine Familie zu gründen, Vater zu werden und mir nicht nur eine Schwiegertochter zu geben sondern auch einen, vielleicht auch mehrere, Enkel zu schenken.
Doch irgendjemand hat Schicksal gespielt, hat dir dein junges Leben genommen, mein Vaterleben zerstört und mir statt einer zuversichtlichen Zukunft nur die emotionale Einsamkeit und die individuelle Trauer gelassen.

Und wenn ich heute nur noch „alles Gute zum Geburtstag, lieber Tiger“ sagen kann, dann wissen nur wenige, dass diese Worte aus der Tiefe meines Herzens kommen.

Ich dich „liebetiger“ und pass auf dich auf, wo immer du auch sein magst.
Papa
10.05.2018
Anfangs #: 1169 109.223.49.137
Lieber Tiger,

anfangs habe ich meine Trauer über deinen Tod wie ein Schutzschild vor mir her getragen und immer auf emotionalen Abstand zu anderen Menschen geachtet. Mein Gesicht war lange Zeit eine auf ein Visier gemalte Maske, immer freundlich und lächelnd, aber dahinter distanziert und empfindlich wie eine Mimose. Dahinter, tief innen drin, da wo die Chirurgen auch heute noch nach der Seele suchen, da war der Schmerz. Da war die Traurigkeit, die Sehnsucht, die Zweifel und auch die Verzweiflung, die sich nagend durch Körper und Geist fraß, wie Blei durch die Adern floss, sich schwer auf den Brustkorb legte und den Geschmack im Mund bitter werden ließ.
Im Laufe der Jahre ist aus meinem Schmerz und der hilflosen Verzweiflung eine tiefe Sehnsucht nach Vergangenem, ja manchmal vielleicht auch eine Glorifizierung von gemeinsam Erlebten, geworden. Ich habe lange gebraucht um deinen frühen Tod, ohne aggressive Wut auf den Verursacher begreifen zu können. Aber verstanden habe ich ihn immer noch nicht.

Heute, achtzehn Jahre nach diesem schrecklichen Ereignis, ist es für mich zu etwas Unumkehrbaren geworden, zu einer Zäsur, die mein Leben so grundlegend veränderte und ihm teilweise auch den Sinn und die Basis entzog.

Vor einigen Wochen war ich an deinem Grab, doch der Verlustschmerz war nicht mehr so erdrückend wie früher, denn die Erinnerung an dich ist anders geworden.
Es ist wie eine unbewusste Melancholie in unendlichen Momenten, mal stärker, mal schwächer, aber so beständig wie die Zeit. Es ist ein Gefühl, das so existenziell ist, dass man es weder in Worte fassen, noch mit anderen Menschen teilen kann.

Auch jetzt ist es da, aber so stark, dass es körperlich weh tut und mich an meinen eigenen Tod denken lässt, obwohl ich mich mehr an dich erinnern möchte.
Ich bin kein gläubiger Mensch, und selbst wenn ich es jemals gewesen sein sollte, dann habe ich diesen Glauben verloren, aber ich weiß, dass wir uns irgendwann und irgendwo wiedersehen und in die Arme nehmen werden.

Warte, dort wo du bist, ich weiß nicht wo das ist, aber ich werde dich finden wie ein Fisch, der an den Ort seiner Geburt zurückkehrt.

Ich dich „liebetiger“.
Rolf
13.02.2018
18 Jahre #: 1168 90.60.85.73
Lieber Tiger,

Vor einigen Jahren habe ich einen Freund an seinem Geburtstag gefragt, was er sich denn noch so wünsche im Leben und er hat geantwortet, dass er gerne mit seinem Enkeln noch Fußball spielen möchte.

"Ich beneide dich", habe ich gesagt, "das würde ich auch gerne tun, aber ich kann das nicht, denn vor 18 Jahren sind mit meinem Sohn auch meine zukünftige Schwiegertochter und meine zukünftigen Enkel gestorben."

Mit ihnen bin auch ich als Vater, Großvater und Schwiegervater gestorben, denn ich bin heute nicht mehr der, der ich vor 18 Jahren, 6570 Tagen, 157680 Stunden und fast 10 Millionen Minuten einmal war.

Woher ich die Kraft nehme, um dir unter diesen Umständen zum Geburtstag zu gratulieren und dir alles Gute für die Zukunft zu wünschen, weiß ich nicht.

Vielleicht ist das die Liebe, die ich wie am Tag deiner Geburt für dich empfinde.

Pass auf dich auf – wo immer du auch bist.

Ich dich „liebetiger“
Papa
10.05.2017
Opa #: 1167 83.205.225.148
Lieber Tiger,

vor wenigen Wochen ist nun auch Opa in unsere Erinnerungen gegangen.
Obwohl ich wusste, dass in seinem Alter jeder einzelne Tag ein Geschenk ist, hatte ich doch immer die Hoffnung, dass es noch sehr viele Tage sein würden.
Ich habe versucht ihm Mut zu machen, doch zuletzt wollte er einfach nicht mehr. Nach so vielen Jahren sei es nun an der Zeit, hat er gesagt und mit mir über seinen Tod gesprochen als wäre es eine alltägliche Selbstverständlichkeit. Aus seinem Leben hat er erzählt und seine Jugend geschildert, die vom Krieg jäh beendet wurde. Über seine Eltern und seine sechs Geschwister hat er gesprochen, die er alle im Laufe seines Lebens zu Grabe getragen hat. Nach all dem Erlebten schrecke ihn der Tod nicht mehr, hat er gesagt und im gleichen Satz von seinen geliebten Enkeln und Urenkeln gesprochen.
Ich habe ihm zugehört, habe ihn reden lassen, denn ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Zuhören dort helfen kann, wo die Medizin kläglich versagt.
„Wie ist das, wenn man ein Kind verliert“, hatte er von mir wissen wollen, und weil ich ihn in seiner Situation nicht zusätzlich belasten wollte, sagte ich nur „schlimm“, doch er hatte mich verstanden und begann zu weinen.

In diesem Moment war ich meinem Vater und deinem Opa so nahe wie noch nie, denn erst das Alter hat uns zu guten Freunden werden lassen, nachdem wir viele Jahre miteinander geschmollt hatten.
Es fällt mir schwer zu glauben, dass er nun nicht mehr da ist.
Aber ich weiß, dass er nun bei dir ist und wir uns wiedersehen, sobald auch meine Zeit um ist.

Pass auf dich auf, wo immer du auch bist und gib auf Opa acht.
Ich dich „liebetiger“.
Papa
13.02.2017
... aber du weißt es #: 1164 90.5.111.51
Geburtstage sind wie die Blätter an einem Baum. Man glaubt, man hätte unzählig viele, doch sie fallen mit einer tödlichen Beharrlichkeit und ehe man sich versieht, ist der Baum des Lebens kahl. Oma, Opa und Philipp sind im Herbst ihres Lebens von uns und zu dir gegangen. Phillip so jung und unschuldig wie du.
Den Schuldigen ihre Schuld zu vergeben fällt anfangs schwer, und wenn man im Lauf der Jahre ihre zunehmende Gleichgültigkeit miterleben muss, dann bereut man zutiefst, dass man es getan hat.
Für Eltern sind Kindergeburtstage auch Freudentage. Für verwaiste Eltern sind sie wehmütige Erinnerung und das wird so bleiben, bis das letzte Blatt am eigenen Lebensbaum gefallen ist.
Ich kann nicht schreiben, was ich fühle, aber du weißt es.
Ich muss auch nicht sagen was ich denke, denn niemand würde es verstehen, aber du weißt es.
Du und ich, wir wissen, was Andere nicht ahnen.
Wir haben erlebt, woran Andere nicht denken.
Wir haben erfahren, was niemand sich vorstellen kann.
Dieses Erleben, dieses Wissen und diese Erfahrung haben uns getrennt von diesen Anderen. Dir hat es den Tod gebracht und mich in anderes Leben katapultiert.
In ein Leben nach dir und in ein Leben ohne dich, in dem das tägliche Miteinander durch schmerzliche Erinnerung ersetzt wird.
Heute ist einer der Tage im Jahr, an denen das Bewusstsein über das Geschehene besonders stark und besonders schlimm ist. Stark, weil ich dich noch immer liebe wie am ersten Tag und schlimm, weil ich die Gleichgültigkeit der Menschen ertragen muss, die dich nach all den Jahren bereits vergessen haben oder dich niemals kennenlernen durften.
Im Leben nach deinem Tod habe ich die Menschen und den Unterschied zwischen Ignoranz, Dummheit und Unwissen kennengelernt. Unwissenden mache ich keinen Vorwurf und will sie mit meinem Wissen auch nicht belasten, aber von Ignoranten und Dummen und vermeintlichen Freunden habe ich mich getrennt.
Mein Leben nach deinem Tod ist anders geworden.
Wir haben das so nicht gewollt.

Pass auf dich auf, wo immer du auch bist.
Alles Gute zum Geburtstag mein Sohn.

Ich dich „liebetiger“.
Rolf
10.05.2016
16 Jahre und kein Tag #: 1158 92.162.217.82
Lieber Tiger,

16 Jahre und kein Tag, an dem ich nicht an dich gedacht und mich erinnert habe.
Erinnerungen, immer gleich und immer wehmütig froh, die ohne Zukunft im Traum verblassen.
Ein zitternder Schatten im Wind, Stille im Dunkel, ein Hauch von Leben, Sehnsucht nach Nähe, Liebe im Herzen – das bist du, seit sechzehn Jahren und kein Tag ist ohne dich
Doch die Zeit hat kein Raster, keine Einteilung und keine Dimension. Tage, Wochen und Monate sind ohne Bedeutung, es gibt nur ein „vor dir“, „mit dir“ und ein „nach dir“.
Ohne dich ist nicht nichts, aber weniger als vor dir.
Ohne dich ist nicht nichts, aber ohne dich ist nicht mehr viel.
Ohne dich sein, fällt mir immer noch schwer und zu vergessen beginnen, wie es mit dir war, das kann ich nicht.
Aber ich kann dich näher denken als du bist, kann deine Nähe spüren und glücklich sein in meinem Schmerz.
So wie jetzt, so wie heute und so wie an diesem Tag.

Pass auf dich auf, wo immer du auch bist.

Ich dich „liebetiger“.
Daggi
09.05.2016
Grüße #: 1157 91.35.66.218
Unsichtbar

Ich seh die Sterne nur bei Nacht,
doch auch am Tage sind sie da,
unsichtbar.

Ich seh die Sonne nur am Tag,
doch in der Nacht ist sie auch da,
unsichtbar.

Ich seh den Wind überhaupt nicht,
ich spür ihn nur durch mein Haar,
unsichtbar.

Ich seh die Kraft nicht, die ich hab,
wenn ich sie brauch, dann ist sie da,
unsichtbar.

Ich seh die Hoffnung nicht,
doch sie ist wahr,
unsichtbar.

Ich seh die Liebe nicht,
doch spür ich sie so klar,
unsichtbar.

Ich seh dich nicht, geliebtes Kind
und weiß doch, du bist da,
unsichtbar.
(Dagmar Geyer)

Gib deinen Lieben in diesen schweren Tagen ein kleines Zeichen. Sie brauchen es!

Daggi mit Nino für immer
Jasmin Sattler
22.04.2016
Nicht vergessen #: 1156 178.197.228.245
Lieber Ingo, auch wenn ich schon längere Zeit hier auf deiner Seite nichts mehr von mir hab hören lassen, so denke ich sehr viel an dich. Ob an deinem Geburtstag oder an deinem Todestag. Und bei jedem Bayern Spiel. Ich hoffe das es dir, Philipp, Oma und Opa da oben gut geht. Und dass wir aufeinander aufpasst. Das ist das einzige was mich etwas tröstet, zu wissen ihr alle da oben seid zusammen. Wir werden uns Wiedersehen lieber Cousin. Aber so lange passt ihr auf uns auf ja? In Liebe deine Jasmin ❤️
Rolf
13.02.2016
Geburtstag #: 1155 90.45.64.98
Lieber Tiger,

auch wenn man wie ich, einen geliebten Menschen wie dich verliert, lebt man nicht allein. Man lebt mit anderen Menschen und mal lebt unter anderen Menschen, aber manchmal leidet man auch unter ihnen.

„Wusstest du, dass die meisten Menschen entweder sechs Monate vor ihrem Geburtstag oder sechs Monate nach ihrem Geburtstag sterben“, wollte jemand in fröhlicher Runde wissen. Er hielt es für einen Scherz, doch ich konnte darüber nicht lachen und als ich vom Tisch aufstand um meinen Schmerz nicht zu zeigen, bemerkten die Anderen, dass etwas geschehen war, das sie nicht verstanden.

„Sein Sohn“, hörte ich jemand erklärend sagen, als ich den Raum verließ um allein zu sein. Allein mit der Erinnerung an dich, die ständig in mir schlummert und mit mir lebt, aber manchmal so brutal zuschlägt, dass es mir das Herz zerreißt.

Heute, an deinem Geburtstag, bin ich am Abend wieder bei Freunden eingeladen.
Es sind Freunde, die du nicht kennst, denn Freunde aus der Zeit mit dir habe ich keine mehr. Es sind Menschen, die dich nicht kennen, ja teilweise noch nicht einmal wissen, dass ich einmal einen Sohn hatte, denn ich spreche nicht oft darüber.
Wir werden zusammensitzen, gemeinsam essen, etwas trinken, uns unterhalten und auch der eine oder andere Scherz wird Anlass zum Lachen sein.

Aber ich habe Angst, dass ich wieder aus dem Zimmer gehen muss, weil mir die Erinnerung an dich, dass salzige Wasser aus den Augen drückt.

Fünfunddreißig Jahre ist das jetzt her, dass ich dich zum ersten Mal gesehen habe und es war Liebe auf den ersten Blick.
Schenk mir doch noch einmal dieses wunderschöne Lächeln, das mir so furchtbar fehlt.

Alles Gute zum Geburtstag, Tiger.
Ich hab dich lieb.
Rolf
10.05.2015
Der Riss #: 1154 90.55.203.66
Lieber Tiger,

der Riss in deinem Herzen, der dich heute vor 15 Jahren vom Leben in den Tod gebracht hat, ist auch ein Riss in meinem Leben. Für dich war es das Ende eines jungen Lebens, für mich der Anfang eines anderen Lebens, eines Lebens ohne dich.
Doch der Riss hat uns nicht getrennt, dein Tod uns nicht entzweit. Wir sind uns nah geblieben und jeder Tag ohne dich, bringt mich näher zu dir.
So wie heute, an deinem Todestag.
So nah, dass ich trotz der Tränen das einmalige Lächeln in deinem Gesicht wieder sehen kann.

Pass auf dich auf, wo immer du auch bist.

Ich dich "liebetiger".
Silke
13.02.2015
Ja, für eine Weile #: 1153 80.152.145.159
... bin ich stehen geblieben und durfte Ihren Sohn durch diese Gedenkseite kennenlernen. Ich danke Ihnen dafür. Er war ein ganz besonderer Mensch und die tiefe Verbindung zwischen Ihnen lese ich in jedem Wort.
Tief bewegt möchte ich ihnen stille Grüße senden - mögen sich viele Ihrer Hoffnungen und Wünsche erfüllen.
Silke
Rolf
13.02.2015
Wünsche #: 1152 109.214.105.46
Lieber Tiger

es ist kurz nach Mitternacht, der 13. Februar ist noch jung und ich werde einer der wenigen Menschen sein, die heute, an deinem Geburtstag, ganz besonders intensiv an dich denken.
Früher habe ich dir an diesem Tag viel Glück und Gesundheit gewünscht. Auch für die Erfüllung deiner kindlichen Wünsche habe ich gerne gesorgt und es war immer wieder schön deine Freude miterleben zu dürfen.
Aber das gewünschte Glück war dir nicht gegönnt, die Gesundheit hat dir nichts genützt und die meisten deiner Wünsche musstest du mit ins Grab nehmen.

Heute wünsche ich mir dich zurück.
Ich wünsche mir, dass wir deinen Geburtstag gemeinsam feiern. Nicht mehr so lustig und ausgelassen wie früher, aber genau so intensiv, noch mehr miteinander und um so vieles bewusster, um am Ende des Tages sagen zu können, dass es ein schöner Geburtstag war.
Ein Geburtstag, an den wir uns noch lange zurück erinnern können.
Das wünsche ich mir für heute.

Pass auf dich auf, wo immer du auch bist.

Ich dich liebetiger.
www.union web
04.08.2014
#: 1151 217.187.153.200
Trauerliebe

Und wenn die Trauer
von einer Trauer erzählt,
die über Sehnsuchtsbrücken geht,
kann sie nur diese meinen.
Und wenn die Liebe
von einer Liebe spricht,
die mit dem Universum verschmilzt,
vergisst sie selbst Zeit und Raum.

Eine, die Seelenberührung hat
und sich unsterblich anfühlt.
Eine, die sich im Traum
der Erinnerung wiegt
und an lebendigen Zeiten festhält.
Eine, die unzertrennlich scheint,
wenngleich sie Welten trennt.
Eine, die gegenwärtiger denn je ist,
gleichwohl sie Vergangenheit atmet.
Eine, die unaufhaltsam wächst
und sich zugleich entwurzelt fühlt.
Eine, die um das Verlorene weint
und mit jeder Träne reicher wird.
Papa
10.05.2014
Der Benjamini #: 1150 90.55.249.172
Lieber Tiger,

Benjamini ist tot, im letzten Winter ist er draußen erfroren, denn für drinnen war er schon zu groß und zu erwachsen geworden.

Du erinnerst dich sicher noch an ihn, an dieses kleine verlassene Pflänzchen, das im Supermarkt niemand haben wollte und das am Vorabend zum Muttertag wie bestellt und nicht abgeholt, mutterseelenallein, als einziges Überbleibsel, auf der sonst leeren Verkaufsfläche stand.
Neben ihm lag ein schmutziges Schild am Boden, das die Räder der Einkaufswagen umgestoßen und überrollt hatten. Auf diesem Schild stand der Name dieses mickrigen Stängels mit abgebrochenem Ast und traurig herabhängenden Blättern, „Benjamini“ und darunter der Preis, den er dem Verkäufer wert war „4,50 DM“.
Ja, damals bezahlte man noch mit Deutscher Mark, so lange ist das jetzt schon her.

Der kleine Benjamini tat uns beiden leid, denn er sah so zerfleddert aus, wie wir beide uns im Mai 1995 fühlten, als unsere Familie gerade kaputt gegangen war. Wir waren so geknickt, wie der einzige Ast des kleinen Benjamini und wir haben ihn in unser neues Zuhause mitgenommen.

Es hat ihm bei uns gefallen, er ist groß geworden, musste im Laufe der Jahre mehrmals umgetopft werden, bis er so groß war, dass man ihn nicht mehr tragen konnte. Er war immer da, war immer grün und war mit ein bisschen Wasser und viel Licht zufrieden. Die Sonne mochte er nicht so, ein schattiges Plätzchen war ihm lieber. Viermal ist er mit den Jahren mit mir in ein neues Heim umgezogen, das letzte Mal waren es sogar weit mehr als tausend Kilometer. Er hat den Transport überstanden, mehrere Tage eingezwängt, ohne Wasser und Licht in einem Lastwagen verbracht und hat sich überall rasch eingelebt, seinen Platz gefunden und mir Freude gemacht. Er war einfach ein lieber Kerl, dankbar, pflegeleicht, bescheiden und schön. Ja, er ist ein schöner Baum geworden, das frische Grün seiner Blätter war voller Lebensfreude und vielleicht auch ein bisschen Dankbarkeit, dass wir ihm damals im Supermarkt für 4,50 DM das Leben gerettet haben.

Nun ist er tot, im letzten Winter ist er langsam gestorben. Der ungewöhnlich kalte Winter hat ihn umgebracht. Bei minus fünfzehn Grad hat ihm alles Einpacken und Abdecken nicht helfen können. Er ist auf der Terrasse erfroren und ich konnte ihm nicht helfen, denn er war mit seinen fast drei Metern Höhe zu groß um ihn ins Haus zu holen und in seinem Riesentopf auch zu schwer um ihn ohne Gabelstabler transportieren zu können. Zuerst hat ihm der Frost die Blätter abgerissen, dann die Äste erwürgt und schließlich die Wurzeln getötet.
Ich konnte ihm bei seinem Siechtum nur zusehen, habe mit ihm gelitten und hatte nach einem Blick auf den Kalender immer gedacht, dass der Frühling schneller ist als der langsame Tod. Hatte immer die Hoffnung, dass unser kleiner Benjamini es irgendwie schafft.
Selbst als er völlig kahl war, kein Lebenszeichen, keine Knospe mehr zeigte und auch auf die Frühlingssonne nicht reagierte, habe ich es nicht übers Herz gebracht ihn für tot zu erklären.
Der kahle Benjamini blieb den ganzen Frühling über auf der Terrasse und ich habe jedem Besucher erklärt, dass er bald wieder Blätter haben wird. Ich habe von seinem Schicksal und seinem Leben mit uns erzählt und dabei immer an dich denken müssen.

Jetzt habe ich unseren Benjamini wie einen Baum im Stehen begraben, am Rande des Grundstücks, dort wo der schattige Wald anfängt, da steht er. Blattlos, leblos, abgestorben aber umgeben von seinesgleichen, von Bäumen, Sträuchern und Büschen. Sie werden ihn beschützen ihm eine neue Heimat geben und im Laufe der Jahre wird er ein Teil des Waldes werden, aber in unseren Herzen immer „der Benjamini“ bleiben.

Er starb mit 19 Jahren – so wie du.

Ich dich „liebetiger“.
Rolf
13.02.2014
13.2.1981 . 10.5.2000 #: 1149 109.223.50.159
Lieber Tiger,

mit der Zeit ist es still geworden in meiner Welt, denn es fehlt ihr das erfrischende Gewürz deiner Existenz und mir fehlt die vertraute Nähe deiner Person. Mir fehlt dein verschmitzter Sinn für Humor, mir fehlt dein herzliches Lachen und dein einmaliges Lächeln, das ich so sehr vermisse.

Geblieben sind die Erinnerungen an dich. Erinnerungen, die mit mir älter werden und sich verändern, wie auch ich mich verändere.
Nein, ich beklage mich deswegen nicht, aber es hat lange gedauert bis mein von Trauer und Schmerz betäubter Verstand das gesamte Ausmaß deines Todes begreifen mochte, gegen dessen Endgültigkeit er sich so lange verwehrt hatte.

Ich habe es bis heute nicht verstanden, aber ich habe akzeptiert, dass dein Tod mein Leben veränderte, es ärmer machte, so wie deine Geburt es bereichert hat.
Es gibt keine Worte dafür, denn vor der Realität deines Todes erscheint mir jedes Wort für sich blass und jeder Satz wird dem Gefühl nicht gerecht, das ich für dich empfinde.
Doch wenn ich dir heute „alles Gute zum Geburtstag“ wünsche, dann kommt das aus dem Herzen und trägt den Wunsch in sich, noch einmal neu beginnen zu können – an deinem Geburtstag.

Pass auf dich auf.

Ich dich liebetiger.
Anja
12.05.2013
Ach... #: 1148 77.185.232.177
Lieber Rolf,

seit so vielen Jahren lese ich hier nun schon mit und immer wieder, jedes Mal, fließen die Tränen. Ich habe Ingo gar nicht gekannt. Aber die Worte, die Du für ihn findest, sind so außergewöhnlich liebevoll, innig und schmerzhaft zugleich, dass man gar nicht anders kann, als mit Dir/Euch zu weinen. Der Himmel hier in Berlin ist momentan sehr blau und friedlich - wie gut hat es Ingo doch, dass er dort sein darf! Auch wenn es hier unten auf der Erde auch - zuweilen - sehr schön ist.

Ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft! Du siehst ihn ja irgendwann wieder...

Herzliche Grüße
Anja
Papa
10.05.2013
Vatertag #: 1147 86.201.25.16
Gestern war Vatertag und für Männer, die es bereits sind oder vielleicht einmal werden könnten, ein Grund zum Feiern.

Auch ich habe diesen Tag mit Freunden verbracht, wobei sich unsere gemeinsamen Aktivitäten auf nachmittäglichen Kaffee und Kuchen beschränkten und gegen Abend bei Würstchen, Kartoffelsalat und einer Flasche Bier ein harmonisches Ende fanden.

Es war ein schöner Tag, ein Tag mit Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen und Sprachräumen, allesamt Menschen, die viel erlebt und viel zu erzählen haben. Es wurde diskutiert, gescherzt und gelacht, aber niemand hat bemerkt, dass ich nicht mit dem Herzen dabei und mit meinen Gedanken weit fort war.
Denn vor dreizehn Jahren, fast auf den Tag genau, habe ich dich verloren. Ich habe meinen einzigen Sohn verloren und meinen besten Freund.

Nun ist der Vatertag vorüber, die Freunde sind gegangen, das Haus ist leer und still und diese Stille legt sich wie Balsam auf die schmerzende Wunde meiner Erinnerungen an dich.
Ganz nah bin ich bei dir, es ist ein schönes, warmes Gefühl aus Liebe, Fürsorge, männlicher Freundschaft und väterlichem Stolz.
Der Stolz auf einen Sohn, wie es keinen besseren geben konnte und die Liebe zu einem unvergleichlichen Menschen, dessen Lachen mir nach all den Jahren immer noch fehlt wie am ersten Tag.

Pass auf dich auf, dort wo du nun schon viel zu lange bist.

Ich dich liebetiger.
Brigitte
13.02.2013
Sternengeburtstag #: 1146 79.236.68.63
Was bleibt,
wenn alles Vergängliche geht,
ist die Liebe.

Einen lieben Gruß
Brigitte mit Kathrin tief im Herzen
Rolf
13.02.2013
Alles Gute zum Geburtstag #: 1145 92.146.7.253
Lieber Tiger,

zu deinem Geburtstag, den ich nun schon zum dreizehnten Mal ohne dich verbringe, wünsche ich dir alles Gute.
Ich muss nicht viele Worte machen, denn zwischen uns ist alles gesagt. Viel wichtiger sind die kleinen Momente der stillen Erinnerung, die nach kurzem Verharren im noch immer bohrenden Schmerz über unser Schicksal in ein nachhaltiges Gefühl der Zuneigung übergehen.
Ein Gefühl, getragen von gemeinsam Erlebtem, gemeinsam Ertragenen und gewürzt mit dem einmaligen Zutaten gegenseitiger Liebe, wie es keine zweite mehr gibt. Eine Liebe, so einmalig wie du, so unersetzlich wie deine Art und so schön wie dein Lächeln, das mir so unendlich fehlt.
Pass auf dich auf, wo immer du auch bist.

Ich dich liebetiger.
Chris
29.12.2012
Gedanken #: 1143 195.93.60.3
Denk Dir ein Bild. Weites Meer.
Ein Segelschiff setzt seine weissen Segel
und gleitet hinaus in die offene See.
Du siehst, wie es kleiner und kleiner wird.
Wo Wasser und Himmel sich treffen,
verschwindet es.
Da sagt jemand: nun ist es gegangen.
Ein anderer sagt: es kommt.
Der Tod ist ein Horizont, und ein Horizont
ist nichts anderes als die Grenze
unseres Sehens.
Wenn wir um einen Menschen trauern,
freuen sich andere,
ihn hinter der Grenze wieder zu sehen.

(Peter Streiff)

Ein stiller Gruß
Chris mit Marco im Herzen



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